Arbeiterbewegung, Demokratie… Die Mehrheitsentscheidung war eben damals der heiße Scheiß

Wie bewegt man Chefs sich zu bewegen?

Wie bewegt man Chefs sich zu bewegen? Die Frage haben wir beim Wevent in Dortmund in einer Session diskutiert.

Das war vor 100, 110 oder 120 Jahren eigentlich die gleiche Frage, aber schon in einer anderen Umwelt und unter anderen Voraussetzungen, mit anderen Chefs und anderen Arbeitern. Und auch mit ganz anderen Moderationswerkzeugen und Tools. Kampf, Krieg, Faust, Schlagstock, Gewehr. Und Randbedingungen Hunger, Großfamilie auf maximal 40 Quadratmeter ohne WC und Dusche, Oma und Tante im Haushalt. Schreiben und Rechnen? Nice to Have.

Vor 100 Jahren mit Worten von heute: Demokratie war der heiße Scheiß

Sich in so einem Umfeld kämpferisch für einen Arbeiterrat einzusetzen, der bei wichtigen Dingen angehört wird und mitreden darf, war eine relativ friedliche und wertschätzende Form des Umganges. So ein Rat wird demokratisch gewählt, Mehrheitswahl. Das hatte vor 120 Jahren Charme wie Soziokratie und Konsent heute. Bundeswahl-Theater, Landtag, Kreis, Bürgermeister, Sozialwahl, Vorstandsneuwahl im Sportverein, 10 Jahre mal n Kinder Elternabend mit, hoffentlich Wiederwahl, und unschuldig weggucken. Dschungelkönig wählen für 50 Cent pro Anruf.

Wählen dürfen war nicht so stressig, sinnlos, wahllos. Wählen dürfen war noch neu und modern. Konsens und Mehrheitsentscheidung war auch ok. Für einen allerersten Umkleideraum oder dagegen, für die Dusche mit fließendem warmen Wasser oder dagegen? Den Hammer von zu Hause mitbringen oder einen guten, funktionierenden gestellt bekommen, ohne das es vom Lohn abgezogen wird. Ich finde das nicht kompliziert.

Vergleich möglich. Hinkend? Bestimmt!

Die Arbeitskämpfer vor 120 Jahren waren genauso wichtig wie Arbeit der Netzwerker für neue Wirtschaft, für Augenhöhe und für agiles Arbeiten heute. Der Werkzeugkasten war mit Demokratie und Mehrheitsentscheidung überschaubar aber deutlich moderner, innovativer, wie Köpfe einschlagen. So modern, dass die damaligen Vertreter der alten Welt noch zweimal die Variante mit dem Köpfe einschlagen, durchsetzen konnten.

Und sind die Erben der Arbeitskämpfer von gestern, Gewerkschafter und Betriebsräte heute nicht mehr wichtig, wenn doch die Netzwerker und sogar die modernen Unternehmer ihr ganzes Unternehmen und alle Mitarbeiter so gut behandeln und fördern und mit Spaß Ihr bestes geben lassen?

Maloche gibt es noch. Und die Kacke ist am dampfen.

Burn Out, Pfennig-Produkte aus China, Crowdworking, Nearshore, Offshore, Niedriglohnsektor, Digitalisierung, Synergieeffekte durch Firmenzusammenschlüsse, wo doch eine Standort nach einem Jahr stirbt mit 700, 1200, 2000 betriebsbedingten Kündigungen. Bei diesen tagtäglichen Tatsachen komme ich zu der Überzeugung, hier gibt es genug Stellen, bei denen die Einführung einer demokratischen Mehrheitswahl eines Mitbestimmungs- und Mitsprachegremiums der Malocher, die da die Arbeit machen, innovativ und charmant ist und bleibt. Und wichtiger, da wo nichts ist, ist es innovativ, charmant und dringend nötig. Egal wo in der Welt. Barfuß in der laugigen Drecks-Suppe oder mit Gummistiefel? Halbieren des Preises für die Kontrolle einer Kundenbewertung von 400 in der Stunde, die 2..3 Euro pro Stunde zu 1 und 1,50 Euro machen? Ich denke, da kann man mit demokratischen Mehrheitsentscheidungen und ja oder nein auch noch gut weiterkommen.

Bei aller Geruchsbelästigung lassen sich die, noch warmen, Exkremente zuerst zur Energiegewinnung, später als Dünger weiter verwenden

Und da, wo wir alle ein Bisschen sind? Da, wo wir den Luxus haben, das alte Grenzen verschwimmen und da wo wir alles differnzierter und genauer ansehen müssen, wo nichts mehr eindeutig messbar und erkennbar ist? Wo man ein Team zusammenholt um aus vielen Antworten den Hauch einer guten Antwort zu erahnen. Ja, da ist der Gewerkschafter und Betriebsrat nicht mehr und nicht weniger als einer in diesem Team mit seiner Antwort, die er aus seiner Tradition und seiner rechtlichen und gesellschaftlichen Verpflichtung mitbringt.

Nicht mehr und nicht weniger.

Glück auf! Klick auf!