Die 3 Säulen der Agilität – Teamarbeit, Lebenslanges Lernen und Bewegung

Die 3 Säulen der Agilität
Die 3 Säulen der Agilität

In der agilen Arbeitswelt achten wir heute in der Hauptsache auf die Arbeit im Team. Aus meiner Sicht sind KnowHow rund ums Lebenslange Lernen wenigstens genauso wichtig. Agilität im Team und im Geistigen sollte im Idealfall zusätzlich von physischer Bewegung begleitet werden. Sport, Hobbys, Reisen schaffen Ausgleich und unterstützen die beiden anderen Säulen der Agilität.

Die Frage, wie das Haus der Agilität für jeden einzelnen aussieht, kann ich nicht beantworten. Ich möchte aber in der nächsten Zeit vorstellen, aus welchen Bausteinen das Haus bei mir aufgebaut ist. Vielleicht mögt Ihr später euer Haus auf euren eigenen drei Säulen aufbauen?

Große, teure Features einschätzen und seinlassen ODER kleine, günstige, Versuche und machen

Schätzt bitte, was dieses Feature kostet?

Am Nachmittag darf ich an einem Meeting teilnehmen. Die Produktmanager und das ideale Scrumteam treffen sich zu einer ersten Einschätzung für ein Feature. Weil ein Kollege und ich Dienstleistungen rund um ähnliche Programmfeatures anbieten, dürfen wir teilnehmen.

Die Produktmanager meinen, dass das Feature doch gar nicht so kompliziert sei. Auf einige goldene Henkel und Schnörkel kann ja sogar verzichtet werden.

Das Scrumteam macht klar, dass auch ein einfaches Feature durch automatisierte Tests dauerhaft qualitätsgesichert sein muss. Generell ist die Umsetzung aber machbar.

Diese und viele andere Argumente werden ausgetauscht. Richtiges, uneingeschränktes, Vertrauen in die beiderseitigen Argumente spüre ich nicht.

Das Team schätzt: Es dauert nur 2 bis 3 Sprints, bis das Feature in der Minimallösung umgesetzt ist… leider schon zu teuer. Und im Backlog des Scrumteams schafft es das Feature dann doch sicher nicht so weit nach oben. Verschenkte Zeit.

Dieses Meeting hat das beiderseitige Vertrauen und den Respekt meiner Meinung nach nicht gestärkt. Ich gehe enttäuscht mit meinem Kollegen aus dem Meeting zurück zu meinen Dienstleistungen. Heute ist früh Feierabend…

Linda Rising schlägt vor: Schnelle, kleine, günstige Versuche machen

In den Zug nach Düsseldorf. LEAN_DUS mit Vortrag von Linda Rising. Gastgeber für die Veranstaltung ist sipgate . Wie immer dort, macht sich die firmeneigene Küche sehr viel Mühe, die Veranstaltungsteilnehmer mit kleinen, leckeren Happen zu verwöhnen. Kleine, leckere Happen zum Probieren… das passt schon zum Vortragsthema.

Nachdem 5 sipgate-Mitarbeiter gemeinsam 10 Experimente vorstellen, die es vom Versuch in den Firmenalltag geschafft haben (z.B. Retrospektiven, Pairing, Peer-Feedback, OPEN-Friday, Link zum Vortrag folgt, wenn er zur Verfügung steht) beginnt diese bemerkenswerte, ältere Dame aus den Staaten mit dem Vortrag. Wie in den hervorragenden Videos im Netz.

Linda Rising erklärt, dass es eigentlich keine Experimente sind, die wir bei der Softwareentwicklung machen (experiments), sondern Versuche (trials or tinker). Wissenschaftliche Experimente würden Probe, Gegenprobe, viele Wiederholungen, viel Dokumentation und Aufzeichnung und das saubere erheben von Daten bedeuten. Dafür ist in unserem Geschäft tatsächlich aber kein Geld da. Stattdessen probieren wir etwas aus: „Lass uns ausprobieren, ob wir mit Pairprogramming weiterkommen?“ Wenn der Versuch erfolgreich ist, macht man weiter und versucht weitere kleine Schritte. Wenn nicht, läßt man es sein.

Es ist viel mehr, als der letzte zusammenfassende Abschnitt: Linda nimmt mich eine Stunde lang mit, erzählt Geschichten, macht Witze, erklärt Denkfehler, gibt Buchtipps. Weil Sie so gut ist im Vortrag, fällt es mir nicht schwer, dem englischen Vortrag zu folgen (Sobald der Vortrag im Internet zur Verfügung steht, verlinke ich hier)

Fazit des Vortrages ist folgendes Vorgehensmuster (Linda ist Profi für Patterns): Kleine, schnelle, und günstige Versuche. Wenn es funktioniert: gut. Wenn es scheitert: egal.

Wenn wir in unseren Sprint-Planungen so kleine Versuche ausprobieren, dass wir nach jedem Sprint Erfolg oder Misserfolg erkennen können, arbeiten wir genau nach diesem Muster.

Kleine, schnelle und günstige Versuche machen und iterativ in die richtige Richtung fortbewegen ist besser als große, teure Features einschätzen und dann sein lassen.

Vielleicht kann ich das Pattern von Linda, schnelle, kleine, günstige Iterationen – das einfache, aber grundlegende Prinzip von agiler Softwareentwicklung – wieder zurück in die Gedanken der Kollegen bringen.

Danke, Linda! Danke, sipgate! Danke LEAN_DUS!