Zuviel Ziele – Zerrissen durch Zielkonflikte

Zuviel Ziele

Es geht nicht nur nach Rom

Beim Vereinbaren von Zielen geht es um Firmenziele und Ziele für die persönliche Entwicklung. Das Ganze ist sehr praktisch wenn Firmenziel ist, den Umsatz zu steigern und das persönliche Entwicklungsziel ein neuer persönlicher Umsatzrekord ist:

  1. Ausbau der aktuellen Haupttätigkeit xy. Ziel 25% mehr Umsatz.
  2. Persönliches Entwicklungsziel: Neuer Umsatzrekord.

Eigentlich WinWin, also aufschreiben, unterschreiben, archivieren!

Irgendwie passte das bei mir bisher nie so ganz. Es sind meistens mehrere Ziele. Und es soll ja für alle etwas dabei sein. Ungefähr so:

  1. Ausbau der aktuellen Haupttätigkeit xy. Ziel 25% mehr Umsatz.
  2. Vorbereitung auf strategisches Geschäftsfeld abc. Einarbeitung und erstes Projekt durchführen.
  3. Persönliches Entwicklungsziel Projekte leiten. Projektleitung in einem mittleren Projekt efgh.
  4. Wissensmanagement. Fachwissen hijk in einer internen Schulung den Kollegen vermitteln.

Gut, also alle Wege führen nach Rom. Moment, aber die Reiseziele sind ja New York, Hong Kong, Tibet und Bergkamen…

Kein Problem: Navi, Ziel Rom über New York, Hong Kong, Tibet und Bergkamen… schnellste Route…. nur mautfreie Autobahnen…. schwups 25686,23 Kilometer. „Chef, wie sieht es aus, wenn ich in diesem Jahr etwas mehr Kilometer mit dem Dienstwagen verfahre?“ „Warum?“

Jetzt wollte ich eine Pointe setzen und habe gleich den ersten Zielkonflikt. 😉

Ist Zielerreichung ein Kann oder ein Muss?

Wenn es bei den Zielen um Geld geht, werden jetzt die Ziele ganz natürlich ziemlich SMART ausformuliert: Theorie X.

Viel einfacher mit Theorie Y: Dem intrinsisch Motivierten reichen die Ziele und er rennt los. Also warum lange ausformulieren, wenn Kekse und Kaffee leer werden sollen… „Gut, dass wir einmal so schön geredet haben.“ „Wenn etwas ist, können Sie jederzeit zu mir kommen!“

Jederzeit stimmt vielleicht. Aber wie oft?

  1. „Chef, zum Termin der internen Schulung möchte Kunde xy mich gerne 2 Tage vor Ort haben. Der Kunde hat kein anderes Zeitfenster eingeplant. Was machen wir jetzt?“
  2. „Chef, im Projekt efgh ist der Kunde aufgebracht, weil unser Mitarbeiter klmn erst in zwei Wochen seine Lieferung abgeben möchte. Er ist im Moment noch eine Woche zur Produktivsetzung bei Kunde hijk vor Ort. Was machen wir jetzt?“
  3. „Chef, ich brauche für Kunde xy zwei Tage mehr Zeit als erwartet. xy zahlt sogar für den Mehraufwand. Der Termin bei Kunde def müsste verschoben werden. Was machen wir jetzt?“
  4. „Chef, die Entwicklungsabteilung ist mit der Entwicklung für das strategische Geschäftsfeld abc nicht fertig geworden. Das erste Projekt soll in der nächsten Woche starten. Was machen wir jetzt?“

Was ist jetzt wohl, wenn 10, 15 oder 20 Mitarbeiter ganz ähnliche Ziele definiert haben? Abläufe reorganisieren, z.B. mit Nummern ziehen? 😉

Irgendwann wird es heißen: „Kein Problem. Ich vertraue Dir! Entscheide selbst! Das ist unbürokratisch und fördert dein Verantwortungsbewusstsein.“

Das Ganze ist perfekt, solange niemand auf die Erreichung eines der Ziele zwingend angewiesen ist.

  1. „Hast Du die interne Schulung eingeplant? Deine Kollegen warten auf eine Einladung.“
  2. „Hallo! Können Sie mir die aktuellen Umsatzzahlen zum strategischen Geschäftsfeld abc mitteilen. Das Projekt sollte ja abgeschlossen sein!“
  3. „Der Kunde hat fest mit Dir gerechnet. Musstest Du den Termin wirklich 2 Tage nach hinten verschieben? Herr hijk macht mir die Hölle heiß.“
  4. „Mitarbeiter efgh hat mir gesagt, dass Du als Projektleiter nicht klar genug die Einhaltung des Termines eingefordert hast. Wenn er rechtzeitig informiert worden wäre, hätte die Planung gepasst.“

Vielleicht hätte wirklich vorne schon die Kennzeichnung „Kann-Ziel“ oder „Muss-Ziel“ etwas geholfen?

Das Glas ist doch halb voll, oder?

Man verfolgt also im Idealfall die vereinbarten Ziele so gut wie möglich. Mal das eine, mal das andere. Bei einem geht es besonders voran. Toll. Fast erreicht. Aber teilen kann man sich nicht. Und der Tag hat nur 24 Stunden.

Jetzt kommt der „Entscheide Du“-Chef und möchte den Stand eines vernachlässigten Zieles kennen lernen. „Warum noch nicht? Warum so sehr das andere und dieses nicht? Das Ziel war doch so wichtig?“  „Aber ich habe entschieden!“ „Aber verkehrt, ich hatte gesagt, Du kannst jederzeit zu mir kommen. Warum nicht bei so einer wichtigen Frage?“ „Aber die Umsätze im Bereich xy sind doch auch wichtig!“ „Aber wegen der fehlenden internen Schulung können Deine Kollegen nicht aushelfen.“

Wenn der Chef in der Hauptsache regelt und klärt, wird es meist um das nicht erreichte Ziel gehen. Ich wünsche mir viele Chefs, die beim Messen immer auch den gefüllten Teil des Glases sehen. Gerade auch, wenn die Umwelt den leeren Teil sieht.

Beim falschen Chef gibt es dagegen immer den Zonk!

Es ist gut, dass hier agile Methoden meist die Führung eines Backlogs mit transparenter Priorisierung vorgeben. Denn dass ist der einzige Ausweg für normal sensible Mitarbeiter.

Der Chef, der meist den Mangel aufzeigt, wird auf Dauer eine „natürliche Auslese“ betreiben und am Ende eine Menge Mitarbeiter mit einem „dicken Fell“ und mäßiger Zielerreichungsmotivation züchten.

Glaubste nicht? Glaub‘ ich für Dich mit!

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Jörg

 

 

Marktwert

Wenn Thomas Müller, Lionel Messi und Cristiano Ronaldo vor mir stehen würden, würde ich mir zu allererst vor Glück in die Hose machen.

Danach würde ich mich vor Cristiano Ronaldo verbeugen und um ein Autogramm bitten. Vor Lionel Messi würde ich mich hinknien, aufstehen um ein Autogramm bitten und versuchen, ein Selfie zu machen.

Thomas Müller würde ich fragen, ob ich ihn zu einer Tasse Kaffee einladen darf.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!

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Jörg

Personalverantwortung ist genau so groß, wie es sich anhört!

Ich erfahre täglich, wie schwierig eine Zusammenarbeit mit Menschen wird, wenn einer der Personen sich über seine Verantwortung nicht komplett bewußt ist.

Bei Vorgesetzten, man sagt eigentlich deutlich Personalverantwortlichen, ist es so, dass Sie für die, die Ihnen anvertraut sind, verantwortlich sind. Ich mache gerade die Erfahrung, dass es hier schwierig wird, wenn dieser Personalverantwortliche dem selbstorganisierten Team beginnt auf die Idee zu kommen, hier Verantwortung an sein Team abgeben zu wollen. Das ist dann ungefähr so: Karl-Heinz Rummenige sagt: „Liebe Bayern-Mannschaft, ab Morgen bestimmt Ihr, wer in der Mannschaft mitspielt!“ Was würde passieren. Ich glaube, Schalke hätte große Chancen, Meister zu werden. Die Bayern haben dann nämlich ein anderes Problem.

Eigentlich möchte die „dienende Führung“ ja in dieser auf Augenhöhe und Agilität getrimmten Welt Verantwortung ans Team abgeben. Aber ist es wirklich gut, mit der Personalverantwortung anzufangen? Reicht nicht, erst einmal mit der Verantwortung für den Erfolg der Arbeit des Teams, bevor man das Allerheiligste des Personalverantwortlichen preisgibt. Man müsste ja auch das Salär des Personalverantwortlichen dem Team geben, oder?

„Tasso“ Anastasios Psarros, Rob van Lanen und Rini van Solingen sagen in „Scrum für Manager“ den Managern: „Sie sollen überdurchschnittlichen Mitarbeitern helfen, sich weiterzuentwickeln und Sie sollten unterdurchschnittlichen Mitarbeitern helfen, besser zu werden oder diese entlassen.“

Das erklärt in einem Satz Personalverantwortung in der heutigen Zeit. Eigentlich einfach.

Boris Grundl und Bodo Schäfer sagen in „Leading Simple“: „Wenn du jemanden nicht führen kannst, dann musst du dich trennen.“ In dem Satz steckt die komplette Macht dieser Verantwortung für Personal. Trennen heißt bei Bayern-Spielern verkaufen. Dabei wird keiner wirklich arm. In der alltäglichen Arbeitswelt heißt trennen oft, auf Dauer die Existenzgrundlage entziehen. Diese Verantwortung an seine Mitarbeiter im Team abgeben ist verlockend aber verantwortungslos.

Erst wenn das Team für alle, auch seine Personalverantwortlichen, verantwortlich wird, könnte daraus ein Schuh werden. Ich persönlich mag an der Stelle aber noch den Unternehmer, den Chef, den Visionär, der die Richtung vorgibt UND dafür die Verantwortung übernimmt.

Die Verantwortung ans Team zu übergeben, sorgt auf Dauer für ein Hauen und Stechen.

Ihr glaubt das nicht? Das glaube das für Euch mit! 😉

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Jörg

Hertener Feuer, Pfingsten und Schalke

Das ich unmittelbar vor Pfingsten ein Gedicht zum Thema BurnOut schreibe, in dem es um hell leuchtende Flammen geht, die drohen, zu erlöschen, muss unterbewusst geschehen sein: Der Zusammenhang mit lodernden Flammen über den Köpfen der Jünger als Sie den heiligen Geist empfangen, wurde mir erst am Pfingstsamstag in der Kirche bewusst. Den Jüngern drohte auch der Burnout und dann kam der heilige Geist und alle brannten darauf, Ihre Erlebnisse mit Jesus in die Welt zu tragen.

Um Flammen geht es auch im Vereinslied von Schalke: ¨Tausend Feuer in der Nacht haben uns das große Glück gebracht.¨ Leider gehen auf Schalke auch regelmäßig die Lichter für, sehr, sehr engagierte Trainer aus. Ist es wohl nur das Geld der Bayern, was den Unterschied macht, oder gehen die Bayern auch anders miteinander um und arbeiten anders zusammen?

Ich würde zu gerne einmal ein Praktikum bei den Bayern und auf Schalke machen um dem Rätsel vielleicht auf die Schliche kommen zu können. Vielleicht steckt das Bayern-Geheimnis aber auch in einem fest verschlossenen Tresor wie das CocaCola-Rezept.

Man sieht also, Flammen müssen nicht immer mit Fackeln bei Neonazi-Aufmärschen zu tun haben.

Ich bedanke mich noch einmal bei allen Lieben, die mir vor Pfingsten ¨Pass auf Dich auf!¨ zugerufen haben. Mein Lichtlein brennt jetzt wieder etwas heller.

Mülheimer Feuer

Ich brenne wie am ersten Tag.

Unser Licht brennt hell und wir beleuchten die herrlichsten Feste der Stadt.

Doch die Wächter möchten es heller, leuchtender, greller, jedes Licht brenne scheller.

Und jetzt brennen sie ab, neben mir eins, neben mir zwei und drei.

Ihr Wächter gebt uns Luft, Tuch und Wachs zu halten das Feuer und lasset uns brennen wie wir es wollen und können.

Denn Ihr brennt uns aus und macht Euch nichts draus.

Und eins sei euch klar: Bevor ich nochmal so nah vorm ausbrennen, dann puste ich mich aus und gehe hinaus.

Und sehe ich ein neues rauschendes Fest mit leuchtenden Feuern, dann zünde ich mein Licht sofort wieder an.

 

Oer-Erkenschwicker Feuer

Und ich brenne wie am ersten Tag.

Dank den Brüdern Neudeck, zwei echte Vorbilder

1962-1967 – Das Rote Album

Wenn ich heute Sehnsucht nach Heimat, Kindheit, Jugend und Heimeligkeit habe, reichen mir die ersten Mundharmonika-Töne von „Love Me Do“ um zurück ins „kleine Wohnzimmer“ zu reisen, über 30 Jahre zurück ins Elternhaus. „Please Please Me“ und ein paar Songs später irgendwann Paul mit „Yesterday“. Heute kann ich erkennen, wie wahnsinnig schnell die vier Beatles sich in ein paar Jahren menschlich und musikalisch entwickeln.

Damals hat uns der Musiklehrer auf der Hauptschule, heute die Joseph Hennewig Schule in Haltern am See, mit seiner Begeisterung für die 4 Pilzköpfe angesteckt. Er hat uns die Beatles-Musik näher gebracht. Die Machenschaften und Kunstgriffe der, in den 80ern sehr starken Musikindustrie, hat er uns anhand von Beispielen erklärt und in Videos jeden Patzer beim Voll-Playback und die fehlenden Verstärkeranschlüsse an Gitarren von hübschen Jünglingen wie Dieter Bohlen und Thomas Anders aufgedeckt. Da war nichts mehr echt. Und jetzt fordert der Dieter echten Gesang von jungen Talenten. Nena aus Hagen in Westfalen und Alphaville aus Münster in Westfalen fand der Lehrer toll.

Aber die erste Viertelstunde der Musik-Stunde hat Herr Neudeck meist Witze erzählt.

Konservative und doch junge, wilde Lehrer, die junge Menschen ins Leben geholfen haben

Herr Neudeck war in den 70er und 80er Jahren einer von einem Hauptschullehrer-Kollegium, welches enorm geprägt war von jungen bis mittelalten Lehrern, die eine Energie versprüht haben, die einen Jahrgang nach dem anderen erfolgreich ins Leben gegracht hat. Dieser Erfolg, den allermeisten einen guten Start ins Leben zu geben, hat damals den guten Ruf der Hauptschule(n) – es gab zwei – in Haltern am See aufgebaut.

Tatsächlich ist es so, dass diese guten 70er und 80er, vielleicht den Geist der Schule ausgebildet haben. Die Stadt Haltern hat aber das große Glück, dass die Lehrer, unter den heute wirklich schwierigeren Bedingungen für unsere Kinder, auch heute noch den Geist von damals im Blut haben und viele Kinder in eine berufliche Laufbahn schicken statt in die arbeitslose Hoffnungslosigkeit.

Ratering, Sellheyer, Harke, Höwedes, Mütze, Tönnes, Halfmann, Schwarkenberg, Otto, Steiner, Ostrovski, Thüner, das sind ein paar Lehrernamen, die mich geprägt haben. Rechnen, Lesen, Schreiben, Englisch, Werken und Kochen haben diese Lehrer mir beigebracht.

Aber das „Was“ waren praktische Grundlagen, das „Wie“ war der Schlüssel zum Erfolg. Die Lehrer waren ordendlich, manche hart aber dabei gerecht, manche lustig, manche Kumpel, manche distanziert. Ich habe eines empfunden: Sie waren ehrlich und echt. Die liebten Ihren Beruf und die Herausforderung, Schüler zu jungen Erwachsenen zu erziehen. Wenn die Lehrer so sind, kann man sich als Schüler darauf einlassen, auch so zu werden. Und dann beginnen Lehrer, Vorbilder zu werden und Vorbilder zu sein.

Dieses Lehrerkollegium bestand nicht aus Laberköppen – einige haben aber schon gerne erzählt 😉 – , sondern aus Machern. Macher sind diszipliniert und, ja, konservativ, oft sogar politisch. Und so haben diese konservativen Macher die Schwächeren, auch damals schon besonders die sozial Schwächeren, ins Leben, in den Beruf und die Selbstverwirklichung gebracht. Zutiefst soziale Arbeit, die wir linken Sozis oft lautstark fordern, von Konservativen gemacht. Am Ende hat wohl doch der Recht, bei dem am Ende am Meisten rauskommt. Ich habe deshalb einen großen Respekt vor den Lehrern von damals. Und heute verdienen die vielen ehrlichen, authentischen und echten Lehrer genauso viel Respekt.

In den 70ern und 80ern war die Hauptschule übrigens noch eine so breit besuchte Schule, dass damals noch oft aus Bauern- und Arbeiter-Kindern am Ende nicht nur Meister, sondern oft auch Ingenieure oder Doktoren werden konnten. Auch heute noch möglich, aber heute ist allein durch die gesunkenen Schülerzahlen der „Durchmarsch“ seltener.

Franz Martin, der Lehrer der Kindheit

Es war mir für die Lehrer und die Hauptschule wichtig, etwas vom Thema abzukommen. Nun aber zu den zwei Brüdern. Franz Martin Neudeck, Herr Neudeck, dass war der witzige Musik-Lehrer, der eine sehr klare Sichtweise zu Musik erklärt hat. Die Musik, die er gut findet, und die, die er schlecht findet. Ich brauchte Jahrzehnte, die von ihm fachmännisch zerissenen ZDF-Hitparaden-Schlager wie „Ein Bett im Kornfeld“ im richtigen Moment, auf dem Höhepunkt einer Party, als gut gemachten Quatsch zu akzeptieren und mitzusingen, wenn der DJ eben statt „Smoke on the Water“ doch Jürgen Drews auflegt.

Ein aufrechter, ehrlicher Lehrer. Für einen damals eher links denkenden Jungen, waren die Ansichten des, zwar lustigen, aber doch christlich, konservativen, bodenständigen Westfalen (inklusive Dickschädel) nicht leicht oder gar nicht zu verstehen. Obwohl meine Eltern Vertriebene aus dem Osten sind, ist mir in der Halterner Seeluft doch ein westfälischer Dickschädel gewachsen: Der braucht im Endstadium bis zu 30 Jahre um, eigentlich eindeutige Wahrheiten, die dem Dickschädel nicht passen, anzuerkennen.

Kurzum, der Herr Neudeck ist mein Lehrmeister und Vorbild für die frühen Jahre gewesen. Das ist der Mann in seinem gesamten Berufsleben für viele, viele Schüler gewesen. Und auch als westfälischer Karnevalist hat der Mann die Menschen humorvoll belehrt. Was aber – und jetzt kann ich eine, meiner Meinung nach unumstößliche schmerzliche Wahrheit nicht auslassen – die bekloppten Rheinländer am Ende doch besser können (stimmt nicht ganz, weil z.B. Bernd Stelter aus Unna kommt).
Aber letztlich kann man auch eine gewisse Steifheit im westfälischen Humor gegenüber dem schlüpfrigen, schnodderigen, rheinischen, schätzen und lieben lernen.

Franz Martin Neudeck ist mir ein Vorbild und ein hoch anständiger, großer, Mann.

Rupert, das Vorbild für den Erwachsenen

Rupert ist in der Öffentlichkeit erst einmal kein humorvoller Witzbold. Die ersten 20..25 unbekümmerten Jugendjahre sieht man also zwar seine Taten und Aktivitäten bewundernd.  Aber Vorbild? Das war mir in dem Alter nicht sofort einleuchtend. Das unterscheidet wohl meine Generation, die zur Wendezeit erwachsen gewordenen ist, übrigens von den 68er und 70ern: Leben, Party (mit weniger Drogen als in den 70ern), Lieben (mit Kondom) und Konsum waren uns wichtiger als das dröge diskutieren, nachdenken und kritisieren.
Wenn ich heute eine 70er Talkshow sehe… Rauchschwaden… Biergläser… Pfeifenraucher im Anzug… Langhaariger Zottel mit Schlag-Jeans… Thema „Hilft der Minirock Frauen bei ihrem Wunsch nach Selbstverwirklichung oder macht der entstehende Durchzug die deutsche Frau unfruchtbar?“… zweieinhalb Stunden Sendung um nachher zu erkennen, dass es wirklich Vertreter beider Standpunkte bei den Talkshowgästen und im befragten Publikum gibt. Wir Wendezeitler hätten die Zeit sinnvoll genutzt, 4 mal „Ein Bett im Kornfeld“, 3 mal „Zehn nakte Frisösen“, 6 mal „Anton aus Tirol“ und 4mal „Schatzi, schenk mir ein Foto“, viel Bier, ein paar Kurze. Super! (Ich stelle mir die Frage wer bekloppter war oder ist: Wir Wendezeitler oder Rainer Werner Fassbinder oder Klaus Kinski? Wenn man Kinski besoffen genug gemacht hätte, hätte er „Zehn Nakte Frisösen“ mitgegröhlt? Würde Kinski in einer heutigen Talkshow dem Wendler mit dem Messer an die Gurgel gehen?)

Ich hoffe sehr, dass meine Abschweifungen wenigstens so interessant sind, dass der Leser nicht allzu empört wahrnimmt, dass die die beiden Hauptfiguren viel zu wenig in dem Blog-Eintrag würdige.

Kurz und Knapp: Rupert Neudeck hat unzählige Leben gerettet, zeigt uns Wohnzimmerbewohnern, was in der grausamen Welt draußen passiert und welche himmelschreienden Ungerechtigkeiten vor sich gehen. Er schafft Projekte, bei denen wir mit kleinen Überweisungen per Online-Banking, helfen können, in den Notlagengegenden der Welt dann doch helfende, große Taten zu bewerkstelligen. Kleine Überweisung, große helfende Wirkung… das ist eine bessere Hebelwirkung als die von Aktienoptionen!

Ich laber nicht mehr viel. Rupert Neudeck muss uns ein Vorbild sein und Lehrmeister. Hier eine Lehrstunde: Rupert Neudeck im ZDF bei Precht, „Welt in Bewegung – Die Flüchtlinge und wir“

Rupert Neudeck ist mir ein Vorbild und ein hoch anständiger, großer, Mann. 

Wenn ich den Rest der Neudeck-Geschwister aus Hagen auch noch kennen würde, müsste ich bestimmt noch zig Zeilen tippen 😉

 

Wenn einen die technischen Schulden übermannen…

Die ungeliebten Außenseiter…

Als KnowHow-Träger zu einem Legacy-System der Firma fühlt man sich nicht sehr gemocht in der agilen Firmen-Umwelt. Die Gedanken über die ganzen technischen Schulden belasten einen selbst.

Als Wissensträger steht man schnell als Besserwisser da. Richtig „Käse“ ist es dann noch, dass man an dieser Rolle nicht viel ändern kann, weil der Newbie, der Controller, der Chef, der externe Experte usw. tatsächlich zum Altsystem so wenig Tatsachen wissen, dass man, selbst wenn man nicht der beste Wissensträger zum Altsystem ist, etwas mehr weiß. Man weiß es wirklich besser.

… und die Retter

Jetzt könnten die anderen das mit Respekt behandeln. Aber hier ist der Knackpunkt bei Kollegen wie Chef-Architekten und externen Experten: Wir kommen raus aus den technischen Schulden, indem ihr unsere Ideen umsetzt. Das der Weg von den technischen Schulden wegen guter Stundensätze in die finanziellen Schulden geht wird nicht gesagt, folgt aber aus den Vertragsdaten.

Das Altsystem hat die gleichen Probleme wie seine „Pfleger“

Und das Legacy-System sorgt eigentlich für eine Mischkalkulation. Das Legacy-System ist so alt geworden, weil es seine Geburt überstanden hat. Das ist auch eine Art Demographie-Problem. Viele Softwarprojekte sterben, bevor Sie ins Arbeitsleben eintreten. Sogar die Kinder vom Legacy-System – von „Papa“ Chef-Architekt und „Erzieher“ externer Experte sind oft verwöhnte Blagen.

Und jetzt ist da dieses alte Legacy-System. Die viel versprechenden Kinder, die von guten Freunden des alten Systems groß gezogen werden, werden wie Stiefkinder behandelt, sogar oft verstoßen. Die Ähnlichkeit zum Alten wahrscheinlich…

Also muss das alte Legacy-System weiter arbeiten, obwohl „die 40 voll und das 63ste“ erreicht ist. Das Arbeiten fällt schwer, aber es reicht um mehr Lohn reinzuholen als die technischen Schulden ausmachen und die verwöhnten Blagen beanspruchen… noch!

Machst Du noch weiter? Der Alte sagt: „Die Knochen tun weh, die Arbeit wird nicht leichter. Aber wie sollen wir über die Runden kommen, wenn ich jetzt in Rente gehe.“

Lean_DUS – Linda Rising im Februar in Düsseldorf

Ich kannte Lean_DUS schon. Ich habe auch erfahren, dass der Autor von Joy Inc. Richard Sheridan dort einen Vortrag gehalten hat. Leider zu spät. Richtig nachgeschaut habe ich trotzdem nicht. Jetzt habe ich endlich einmal die Homepage angesehen:

https://www.leandus.de

Das hat sich gelohnt. Einmal habe ich mich gleich für einen Vortrag von Linda Rising angemeldet, die am 11. Februar 2016 einen Vortrag in Düsseldorf hält. Linda Rising hat sehr beeindruckende Vorträge zum Thema „Agile Mindset“ gehalten (https://www.youtube.com/watch?v=W47rcJowx7k), wobei es weniger um Agilität in der Firma, als viel mehr um die eigene Einstellung zum Lernen, zu Neugierde und dem Mut etwas auszuprobieren, aber auch dem lernen voneinander.

Besonders spannend, wenn man die Vorträge nicht live in Düsseldorf erleben kann. Auf der Website Website von Lean_DUS gibt es Videos von den vergangenen Vorträgen.

Das ist wirklich eine gute Sache.

ABC-Listen

Um seine Gedankenwelt und seine Einstellungen zu begreifen, muss man sie in eine physikalische
Form außerhalb des Gehirns bringen. Verschriftlicht, gemalt, mit dem Diktiergerät aufgenommen, werden die Gedanken tatsächlich physisch ¨begreifbar¨.

Wer also strukturiert, systmatisch, vielleicht sogar kreativ denken möchte, macht nichts verkehrt, wenn er aufzeichnet. Mit den ABC-Listen nach Vera F. Birkenbihl stelle ich heute eine Schriftform vor.

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ABC-Liste zu diesem Beitrag als ein Beispiel

Ich fange mit dem Rezept an: Man nehme ein leeres Blatt Papier, und schreibe das Alphabet von A bis Z. Oben rechts das Datum und als Überschrift das Thema, über das man nachdenken, reflektieren möchte. Anders wie beim Stadt, Land, Fluss wo zu einem Buchstaben die Kategorien gefüllt werden, werden jetzt zu einem Thema Assoziationen mit den passenden Anfangsbuchstaben gesucht und in die Liste eingetragen. Beim Ausfüllen kann man die Einträge so vornehmen, wie sie einem einfallen.

Immer wenn man eine ABC-Liste zu einem Thema ausfüllt, macht man ein Inventur in seinem inneren Archiv. Es ist immer eine Momentaufnahme. Zum lernen ist es hilfreich, regelmäßig Listen zu einem Lernthema zu wiederholen. Durch das assoziieren werden Neuronenbahnen aufgebaut, nach und nach wird einen das Thema vertrauter und die Listen erhalten immer mehr Einträge.

Man kann in Listen mehrere Einträge mit gleichem Anfangsbuchstaben durch Komma getrennt aufnehmen.

ABC-Listen können auch dabei helfen, bei Vorträgen und in Meetings bei der Sache zu bleiben: Wenn man beim zuhören nach Stichworten mit den richtigen Anfangsbuchstaben lauscht, nimmt man den Vortragsinhalt mit auf. In Meetings kann das die ABC-Liste eine gute Abwechslung zum Bullshit-Bingo darstellen. 😉

Selbstreflektion als Selbstretrospektive

Ich finde den Tweet nicht wieder… er ging ungefähr so:

Eine gut moderierte Retro ist ein guter Weg um auf das vergangene Jahr zurückzublicken.

Richtig!

Daher kommen die Überschriften von diesem und vom letzten Blogeintrag.

Aber so ganz einfach ist es nicht: Ich schaue meist um den Jahreswechsel herum schon auf mich selbst. Auf das ganz persönliche, das familiäre, das berufliche. Ich mache diesen Rückblick bewußt für mich allein. Jetzt wird es mit dem gut moderiert natürlich spannend. 😉

Eine Retro im Team dauert 3..4 Stunden. Das geht bei meiner „Selbstretro“ auch nicht. Mein Jahresrückblick entwickelt sich stufenweise in mehreren Tagen.

Außerdem nutze ich Fragetechnik, ABC-Listen und KaWas um nach und nach einen tiefergehenden Überblick zu erhalten.

Selbstreflektion oder Selbstretro ist also sicher vergleichbar mit Team-Retrospektiven. Es gibt aber Unterschiede. Andererseits kann man vielleicht aber auch für sich selbst Retroarten, z.B. „Start, Stop, Continue“, verwenden. Umgekehrt ist vielleicht manchmal sinnvoll, auch Team-Retros über ein paar Tage zu verteilen.