Arbeiterbewegung, Demokratie… Die Mehrheitsentscheidung war eben damals der heiße Scheiß

Wie bewegt man Chefs sich zu bewegen?

Wie bewegt man Chefs sich zu bewegen? Die Frage haben wir beim Wevent in Dortmund in einer Session diskutiert.

Das war vor 100, 110 oder 120 Jahren eigentlich die gleiche Frage, aber schon in einer anderen Umwelt und unter anderen Voraussetzungen, mit anderen Chefs und anderen Arbeitern. Und auch mit ganz anderen Moderationswerkzeugen und Tools. Kampf, Krieg, Faust, Schlagstock, Gewehr. Und Randbedingungen Hunger, Großfamilie auf maximal 40 Quadratmeter ohne WC und Dusche, Oma und Tante im Haushalt. Schreiben und Rechnen? Nice to Have.

Vor 100 Jahren mit Worten von heute: Demokratie war der heiße Scheiß

Sich in so einem Umfeld kämpferisch für einen Arbeiterrat einzusetzen, der bei wichtigen Dingen angehört wird und mitreden darf, war eine relativ friedliche und wertschätzende Form des Umganges. So ein Rat wird demokratisch gewählt, Mehrheitswahl. Das hatte vor 120 Jahren Charme wie Soziokratie und Konsent heute. Bundeswahl-Theater, Landtag, Kreis, Bürgermeister, Sozialwahl, Vorstandsneuwahl im Sportverein, 10 Jahre mal n Kinder Elternabend mit, hoffentlich Wiederwahl, und unschuldig weggucken. Dschungelkönig wählen für 50 Cent pro Anruf.

Wählen dürfen war nicht so stressig, sinnlos, wahllos. Wählen dürfen war noch neu und modern. Konsens und Mehrheitsentscheidung war auch ok. Für einen allerersten Umkleideraum oder dagegen, für die Dusche mit fließendem warmen Wasser oder dagegen? Den Hammer von zu Hause mitbringen oder einen guten, funktionierenden gestellt bekommen, ohne das es vom Lohn abgezogen wird. Ich finde das nicht kompliziert.

Vergleich möglich. Hinkend? Bestimmt!

Die Arbeitskämpfer vor 120 Jahren waren genauso wichtig wie Arbeit der Netzwerker für neue Wirtschaft, für Augenhöhe und für agiles Arbeiten heute. Der Werkzeugkasten war mit Demokratie und Mehrheitsentscheidung überschaubar aber deutlich moderner, innovativer, wie Köpfe einschlagen. So modern, dass die damaligen Vertreter der alten Welt noch zweimal die Variante mit dem Köpfe einschlagen, durchsetzen konnten.

Und sind die Erben der Arbeitskämpfer von gestern, Gewerkschafter und Betriebsräte heute nicht mehr wichtig, wenn doch die Netzwerker und sogar die modernen Unternehmer ihr ganzes Unternehmen und alle Mitarbeiter so gut behandeln und fördern und mit Spaß Ihr bestes geben lassen?

Maloche gibt es noch. Und die Kacke ist am dampfen.

Burn Out, Pfennig-Produkte aus China, Crowdworking, Nearshore, Offshore, Niedriglohnsektor, Digitalisierung, Synergieeffekte durch Firmenzusammenschlüsse, wo doch eine Standort nach einem Jahr stirbt mit 700, 1200, 2000 betriebsbedingten Kündigungen. Bei diesen tagtäglichen Tatsachen komme ich zu der Überzeugung, hier gibt es genug Stellen, bei denen die Einführung einer demokratischen Mehrheitswahl eines Mitbestimmungs- und Mitsprachegremiums der Malocher, die da die Arbeit machen, innovativ und charmant ist und bleibt. Und wichtiger, da wo nichts ist, ist es innovativ, charmant und dringend nötig. Egal wo in der Welt. Barfuß in der laugigen Drecks-Suppe oder mit Gummistiefel? Halbieren des Preises für die Kontrolle einer Kundenbewertung von 400 in der Stunde, die 2..3 Euro pro Stunde zu 1 und 1,50 Euro machen? Ich denke, da kann man mit demokratischen Mehrheitsentscheidungen und ja oder nein auch noch gut weiterkommen.

Bei aller Geruchsbelästigung lassen sich die, noch warmen, Exkremente zuerst zur Energiegewinnung, später als Dünger weiter verwenden

Und da, wo wir alle ein Bisschen sind? Da, wo wir den Luxus haben, das alte Grenzen verschwimmen und da wo wir alles differnzierter und genauer ansehen müssen, wo nichts mehr eindeutig messbar und erkennbar ist? Wo man ein Team zusammenholt um aus vielen Antworten den Hauch einer guten Antwort zu erahnen. Ja, da ist der Gewerkschafter und Betriebsrat nicht mehr und nicht weniger als einer in diesem Team mit seiner Antwort, die er aus seiner Tradition und seiner rechtlichen und gesellschaftlichen Verpflichtung mitbringt.

Nicht mehr und nicht weniger.

Glück auf! Klick auf!

 

Marina ist kein Roboter!

Bier trinken in der Eckkneipe ist nicht besonders effizient. Es kostet Geld und macht duseltig im Kopf. Wozu und weshhalb? Was soll das?

Und Ouzo? Mitten in Deutschland? Warum?

Ich kann es nicht sagen?

Schönes Wochenende!

Ciao

Jörg

Zuviel Ziele – Zerrissen durch Zielkonflikte

Zuviel Ziele

Es geht nicht nur nach Rom

Beim Vereinbaren von Zielen geht es um Firmenziele und Ziele für die persönliche Entwicklung. Das Ganze ist sehr praktisch wenn Firmenziel ist, den Umsatz zu steigern und das persönliche Entwicklungsziel ein neuer persönlicher Umsatzrekord ist:

  1. Ausbau der aktuellen Haupttätigkeit xy. Ziel 25% mehr Umsatz.
  2. Persönliches Entwicklungsziel: Neuer Umsatzrekord.

Eigentlich WinWin, also aufschreiben, unterschreiben, archivieren!

Irgendwie passte das bei mir bisher nie so ganz. Es sind meistens mehrere Ziele. Und es soll ja für alle etwas dabei sein. Ungefähr so:

  1. Ausbau der aktuellen Haupttätigkeit xy. Ziel 25% mehr Umsatz.
  2. Vorbereitung auf strategisches Geschäftsfeld abc. Einarbeitung und erstes Projekt durchführen.
  3. Persönliches Entwicklungsziel Projekte leiten. Projektleitung in einem mittleren Projekt efgh.
  4. Wissensmanagement. Fachwissen hijk in einer internen Schulung den Kollegen vermitteln.

Gut, also alle Wege führen nach Rom. Moment, aber die Reiseziele sind ja New York, Hong Kong, Tibet und Bergkamen…

Kein Problem: Navi, Ziel Rom über New York, Hong Kong, Tibet und Bergkamen… schnellste Route…. nur mautfreie Autobahnen…. schwups 25686,23 Kilometer. „Chef, wie sieht es aus, wenn ich in diesem Jahr etwas mehr Kilometer mit dem Dienstwagen verfahre?“ „Warum?“

Jetzt wollte ich eine Pointe setzen und habe gleich den ersten Zielkonflikt. 😉

Ist Zielerreichung ein Kann oder ein Muss?

Wenn es bei den Zielen um Geld geht, werden jetzt die Ziele ganz natürlich ziemlich SMART ausformuliert: Theorie X.

Viel einfacher mit Theorie Y: Dem intrinsisch Motivierten reichen die Ziele und er rennt los. Also warum lange ausformulieren, wenn Kekse und Kaffee leer werden sollen… „Gut, dass wir einmal so schön geredet haben.“ „Wenn etwas ist, können Sie jederzeit zu mir kommen!“

Jederzeit stimmt vielleicht. Aber wie oft?

  1. „Chef, zum Termin der internen Schulung möchte Kunde xy mich gerne 2 Tage vor Ort haben. Der Kunde hat kein anderes Zeitfenster eingeplant. Was machen wir jetzt?“
  2. „Chef, im Projekt efgh ist der Kunde aufgebracht, weil unser Mitarbeiter klmn erst in zwei Wochen seine Lieferung abgeben möchte. Er ist im Moment noch eine Woche zur Produktivsetzung bei Kunde hijk vor Ort. Was machen wir jetzt?“
  3. „Chef, ich brauche für Kunde xy zwei Tage mehr Zeit als erwartet. xy zahlt sogar für den Mehraufwand. Der Termin bei Kunde def müsste verschoben werden. Was machen wir jetzt?“
  4. „Chef, die Entwicklungsabteilung ist mit der Entwicklung für das strategische Geschäftsfeld abc nicht fertig geworden. Das erste Projekt soll in der nächsten Woche starten. Was machen wir jetzt?“

Was ist jetzt wohl, wenn 10, 15 oder 20 Mitarbeiter ganz ähnliche Ziele definiert haben? Abläufe reorganisieren, z.B. mit Nummern ziehen? 😉

Irgendwann wird es heißen: „Kein Problem. Ich vertraue Dir! Entscheide selbst! Das ist unbürokratisch und fördert dein Verantwortungsbewusstsein.“

Das Ganze ist perfekt, solange niemand auf die Erreichung eines der Ziele zwingend angewiesen ist.

  1. „Hast Du die interne Schulung eingeplant? Deine Kollegen warten auf eine Einladung.“
  2. „Hallo! Können Sie mir die aktuellen Umsatzzahlen zum strategischen Geschäftsfeld abc mitteilen. Das Projekt sollte ja abgeschlossen sein!“
  3. „Der Kunde hat fest mit Dir gerechnet. Musstest Du den Termin wirklich 2 Tage nach hinten verschieben? Herr hijk macht mir die Hölle heiß.“
  4. „Mitarbeiter efgh hat mir gesagt, dass Du als Projektleiter nicht klar genug die Einhaltung des Termines eingefordert hast. Wenn er rechtzeitig informiert worden wäre, hätte die Planung gepasst.“

Vielleicht hätte wirklich vorne schon die Kennzeichnung „Kann-Ziel“ oder „Muss-Ziel“ etwas geholfen?

Das Glas ist doch halb voll, oder?

Man verfolgt also im Idealfall die vereinbarten Ziele so gut wie möglich. Mal das eine, mal das andere. Bei einem geht es besonders voran. Toll. Fast erreicht. Aber teilen kann man sich nicht. Und der Tag hat nur 24 Stunden.

Jetzt kommt der „Entscheide Du“-Chef und möchte den Stand eines vernachlässigten Zieles kennen lernen. „Warum noch nicht? Warum so sehr das andere und dieses nicht? Das Ziel war doch so wichtig?“  „Aber ich habe entschieden!“ „Aber verkehrt, ich hatte gesagt, Du kannst jederzeit zu mir kommen. Warum nicht bei so einer wichtigen Frage?“ „Aber die Umsätze im Bereich xy sind doch auch wichtig!“ „Aber wegen der fehlenden internen Schulung können Deine Kollegen nicht aushelfen.“

Wenn der Chef in der Hauptsache regelt und klärt, wird es meist um das nicht erreichte Ziel gehen. Ich wünsche mir viele Chefs, die beim Messen immer auch den gefüllten Teil des Glases sehen. Gerade auch, wenn die Umwelt den leeren Teil sieht.

Beim falschen Chef gibt es dagegen immer den Zonk!

Es ist gut, dass hier agile Methoden meist die Führung eines Backlogs mit transparenter Priorisierung vorgeben. Denn dass ist der einzige Ausweg für normal sensible Mitarbeiter.

Der Chef, der meist den Mangel aufzeigt, wird auf Dauer eine „natürliche Auslese“ betreiben und am Ende eine Menge Mitarbeiter mit einem „dicken Fell“ und mäßiger Zielerreichungsmotivation züchten.

Glaubste nicht? Glaub‘ ich für Dich mit!

Klick auf

Jörg

 

 

Marktwert

Wenn Thomas Müller, Lionel Messi und Cristiano Ronaldo vor mir stehen würden, würde ich mir zu allererst vor Glück in die Hose machen.

Danach würde ich mich vor Cristiano Ronaldo verbeugen und um ein Autogramm bitten. Vor Lionel Messi würde ich mich hinknien, aufstehen um ein Autogramm bitten und versuchen, ein Selfie zu machen.

Thomas Müller würde ich fragen, ob ich ihn zu einer Tasse Kaffee einladen darf.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Klick auf,

Jörg

Personalverantwortung ist genau so groß, wie es sich anhört!

Ich erfahre täglich, wie schwierig eine Zusammenarbeit mit Menschen wird, wenn einer der Personen sich über seine Verantwortung nicht komplett bewußt ist.

Bei Vorgesetzten, man sagt eigentlich deutlich Personalverantwortlichen, ist es so, dass Sie für die, die Ihnen anvertraut sind, verantwortlich sind. Ich mache gerade die Erfahrung, dass es hier schwierig wird, wenn dieser Personalverantwortliche dem selbstorganisierten Team beginnt auf die Idee zu kommen, hier Verantwortung an sein Team abgeben zu wollen. Das ist dann ungefähr so: Karl-Heinz Rummenige sagt: „Liebe Bayern-Mannschaft, ab Morgen bestimmt Ihr, wer in der Mannschaft mitspielt!“ Was würde passieren. Ich glaube, Schalke hätte große Chancen, Meister zu werden. Die Bayern haben dann nämlich ein anderes Problem.

Eigentlich möchte die „dienende Führung“ ja in dieser auf Augenhöhe und Agilität getrimmten Welt Verantwortung ans Team abgeben. Aber ist es wirklich gut, mit der Personalverantwortung anzufangen? Reicht nicht, erst einmal mit der Verantwortung für den Erfolg der Arbeit des Teams, bevor man das Allerheiligste des Personalverantwortlichen preisgibt. Man müsste ja auch das Salär des Personalverantwortlichen dem Team geben, oder?

„Tasso“ Anastasios Psarros, Rob van Lanen und Rini van Solingen sagen in „Scrum für Manager“ den Managern: „Sie sollen überdurchschnittlichen Mitarbeitern helfen, sich weiterzuentwickeln und Sie sollten unterdurchschnittlichen Mitarbeitern helfen, besser zu werden oder diese entlassen.“

Das erklärt in einem Satz Personalverantwortung in der heutigen Zeit. Eigentlich einfach.

Boris Grundl und Bodo Schäfer sagen in „Leading Simple“: „Wenn du jemanden nicht führen kannst, dann musst du dich trennen.“ In dem Satz steckt die komplette Macht dieser Verantwortung für Personal. Trennen heißt bei Bayern-Spielern verkaufen. Dabei wird keiner wirklich arm. In der alltäglichen Arbeitswelt heißt trennen oft, auf Dauer die Existenzgrundlage entziehen. Diese Verantwortung an seine Mitarbeiter im Team abgeben ist verlockend aber verantwortungslos.

Erst wenn das Team für alle, auch seine Personalverantwortlichen, verantwortlich wird, könnte daraus ein Schuh werden. Ich persönlich mag an der Stelle aber noch den Unternehmer, den Chef, den Visionär, der die Richtung vorgibt UND dafür die Verantwortung übernimmt.

Die Verantwortung ans Team zu übergeben, sorgt auf Dauer für ein Hauen und Stechen.

Ihr glaubt das nicht? Das glaube das für Euch mit! 😉

Klick auf,

Jörg

Die 3 Säulen der Agilität – Teamarbeit, Lebenslanges Lernen und Bewegung

Die 3 Säulen der Agilität
Die 3 Säulen der Agilität

In der agilen Arbeitswelt achten wir heute in der Hauptsache auf die Arbeit im Team. Aus meiner Sicht sind KnowHow rund ums Lebenslange Lernen wenigstens genauso wichtig. Agilität im Team und im Geistigen sollte im Idealfall zusätzlich von physischer Bewegung begleitet werden. Sport, Hobbys, Reisen schaffen Ausgleich und unterstützen die beiden anderen Säulen der Agilität.

Die Frage, wie das Haus der Agilität für jeden einzelnen aussieht, kann ich nicht beantworten. Ich möchte aber in der nächsten Zeit vorstellen, aus welchen Bausteinen das Haus bei mir aufgebaut ist. Vielleicht mögt Ihr später euer Haus auf euren eigenen drei Säulen aufbauen?

Hertener Feuer, Pfingsten und Schalke

Das ich unmittelbar vor Pfingsten ein Gedicht zum Thema BurnOut schreibe, in dem es um hell leuchtende Flammen geht, die drohen, zu erlöschen, muss unterbewusst geschehen sein: Der Zusammenhang mit lodernden Flammen über den Köpfen der Jünger als Sie den heiligen Geist empfangen, wurde mir erst am Pfingstsamstag in der Kirche bewusst. Den Jüngern drohte auch der Burnout und dann kam der heilige Geist und alle brannten darauf, Ihre Erlebnisse mit Jesus in die Welt zu tragen.

Um Flammen geht es auch im Vereinslied von Schalke: ¨Tausend Feuer in der Nacht haben uns das große Glück gebracht.¨ Leider gehen auf Schalke auch regelmäßig die Lichter für, sehr, sehr engagierte Trainer aus. Ist es wohl nur das Geld der Bayern, was den Unterschied macht, oder gehen die Bayern auch anders miteinander um und arbeiten anders zusammen?

Ich würde zu gerne einmal ein Praktikum bei den Bayern und auf Schalke machen um dem Rätsel vielleicht auf die Schliche kommen zu können. Vielleicht steckt das Bayern-Geheimnis aber auch in einem fest verschlossenen Tresor wie das CocaCola-Rezept.

Man sieht also, Flammen müssen nicht immer mit Fackeln bei Neonazi-Aufmärschen zu tun haben.

Ich bedanke mich noch einmal bei allen Lieben, die mir vor Pfingsten ¨Pass auf Dich auf!¨ zugerufen haben. Mein Lichtlein brennt jetzt wieder etwas heller.

Mülheimer Feuer

Ich brenne wie am ersten Tag.

Unser Licht brennt hell und wir beleuchten die herrlichsten Feste der Stadt.

Doch die Wächter möchten es heller, leuchtender, greller, jedes Licht brenne scheller.

Und jetzt brennen sie ab, neben mir eins, neben mir zwei und drei.

Ihr Wächter gebt uns Luft, Tuch und Wachs zu halten das Feuer und lasset uns brennen wie wir es wollen und können.

Denn Ihr brennt uns aus und macht Euch nichts draus.

Und eins sei euch klar: Bevor ich nochmal so nah vorm ausbrennen, dann puste ich mich aus und gehe hinaus.

Und sehe ich ein neues rauschendes Fest mit leuchtenden Feuern, dann zünde ich mein Licht sofort wieder an.

 

Oer-Erkenschwicker Feuer

Und ich brenne wie am ersten Tag.

Dank den Brüdern Neudeck, zwei echte Vorbilder

1962-1967 – Das Rote Album

Wenn ich heute Sehnsucht nach Heimat, Kindheit, Jugend und Heimeligkeit habe, reichen mir die ersten Mundharmonika-Töne von „Love Me Do“ um zurück ins „kleine Wohnzimmer“ zu reisen, über 30 Jahre zurück ins Elternhaus. „Please Please Me“ und ein paar Songs später irgendwann Paul mit „Yesterday“. Heute kann ich erkennen, wie wahnsinnig schnell die vier Beatles sich in ein paar Jahren menschlich und musikalisch entwickeln.

Damals hat uns der Musiklehrer auf der Hauptschule, heute die Joseph Hennewig Schule in Haltern am See, mit seiner Begeisterung für die 4 Pilzköpfe angesteckt. Er hat uns die Beatles-Musik näher gebracht. Die Machenschaften und Kunstgriffe der, in den 80ern sehr starken Musikindustrie, hat er uns anhand von Beispielen erklärt und in Videos jeden Patzer beim Voll-Playback und die fehlenden Verstärkeranschlüsse an Gitarren von hübschen Jünglingen wie Dieter Bohlen und Thomas Anders aufgedeckt. Da war nichts mehr echt. Und jetzt fordert der Dieter echten Gesang von jungen Talenten. Nena aus Hagen in Westfalen und Alphaville aus Münster in Westfalen fand der Lehrer toll.

Aber die erste Viertelstunde der Musik-Stunde hat Herr Neudeck meist Witze erzählt.

Konservative und doch junge, wilde Lehrer, die junge Menschen ins Leben geholfen haben

Herr Neudeck war in den 70er und 80er Jahren einer von einem Hauptschullehrer-Kollegium, welches enorm geprägt war von jungen bis mittelalten Lehrern, die eine Energie versprüht haben, die einen Jahrgang nach dem anderen erfolgreich ins Leben gegracht hat. Dieser Erfolg, den allermeisten einen guten Start ins Leben zu geben, hat damals den guten Ruf der Hauptschule(n) – es gab zwei – in Haltern am See aufgebaut.

Tatsächlich ist es so, dass diese guten 70er und 80er, vielleicht den Geist der Schule ausgebildet haben. Die Stadt Haltern hat aber das große Glück, dass die Lehrer, unter den heute wirklich schwierigeren Bedingungen für unsere Kinder, auch heute noch den Geist von damals im Blut haben und viele Kinder in eine berufliche Laufbahn schicken statt in die arbeitslose Hoffnungslosigkeit.

Ratering, Sellheyer, Harke, Höwedes, Mütze, Tönnes, Halfmann, Schwarkenberg, Otto, Steiner, Ostrovski, Thüner, das sind ein paar Lehrernamen, die mich geprägt haben. Rechnen, Lesen, Schreiben, Englisch, Werken und Kochen haben diese Lehrer mir beigebracht.

Aber das „Was“ waren praktische Grundlagen, das „Wie“ war der Schlüssel zum Erfolg. Die Lehrer waren ordendlich, manche hart aber dabei gerecht, manche lustig, manche Kumpel, manche distanziert. Ich habe eines empfunden: Sie waren ehrlich und echt. Die liebten Ihren Beruf und die Herausforderung, Schüler zu jungen Erwachsenen zu erziehen. Wenn die Lehrer so sind, kann man sich als Schüler darauf einlassen, auch so zu werden. Und dann beginnen Lehrer, Vorbilder zu werden und Vorbilder zu sein.

Dieses Lehrerkollegium bestand nicht aus Laberköppen – einige haben aber schon gerne erzählt 😉 – , sondern aus Machern. Macher sind diszipliniert und, ja, konservativ, oft sogar politisch. Und so haben diese konservativen Macher die Schwächeren, auch damals schon besonders die sozial Schwächeren, ins Leben, in den Beruf und die Selbstverwirklichung gebracht. Zutiefst soziale Arbeit, die wir linken Sozis oft lautstark fordern, von Konservativen gemacht. Am Ende hat wohl doch der Recht, bei dem am Ende am Meisten rauskommt. Ich habe deshalb einen großen Respekt vor den Lehrern von damals. Und heute verdienen die vielen ehrlichen, authentischen und echten Lehrer genauso viel Respekt.

In den 70ern und 80ern war die Hauptschule übrigens noch eine so breit besuchte Schule, dass damals noch oft aus Bauern- und Arbeiter-Kindern am Ende nicht nur Meister, sondern oft auch Ingenieure oder Doktoren werden konnten. Auch heute noch möglich, aber heute ist allein durch die gesunkenen Schülerzahlen der „Durchmarsch“ seltener.

Franz Martin, der Lehrer der Kindheit

Es war mir für die Lehrer und die Hauptschule wichtig, etwas vom Thema abzukommen. Nun aber zu den zwei Brüdern. Franz Martin Neudeck, Herr Neudeck, dass war der witzige Musik-Lehrer, der eine sehr klare Sichtweise zu Musik erklärt hat. Die Musik, die er gut findet, und die, die er schlecht findet. Ich brauchte Jahrzehnte, die von ihm fachmännisch zerissenen ZDF-Hitparaden-Schlager wie „Ein Bett im Kornfeld“ im richtigen Moment, auf dem Höhepunkt einer Party, als gut gemachten Quatsch zu akzeptieren und mitzusingen, wenn der DJ eben statt „Smoke on the Water“ doch Jürgen Drews auflegt.

Ein aufrechter, ehrlicher Lehrer. Für einen damals eher links denkenden Jungen, waren die Ansichten des, zwar lustigen, aber doch christlich, konservativen, bodenständigen Westfalen (inklusive Dickschädel) nicht leicht oder gar nicht zu verstehen. Obwohl meine Eltern Vertriebene aus dem Osten sind, ist mir in der Halterner Seeluft doch ein westfälischer Dickschädel gewachsen: Der braucht im Endstadium bis zu 30 Jahre um, eigentlich eindeutige Wahrheiten, die dem Dickschädel nicht passen, anzuerkennen.

Kurzum, der Herr Neudeck ist mein Lehrmeister und Vorbild für die frühen Jahre gewesen. Das ist der Mann in seinem gesamten Berufsleben für viele, viele Schüler gewesen. Und auch als westfälischer Karnevalist hat der Mann die Menschen humorvoll belehrt. Was aber – und jetzt kann ich eine, meiner Meinung nach unumstößliche schmerzliche Wahrheit nicht auslassen – die bekloppten Rheinländer am Ende doch besser können (stimmt nicht ganz, weil z.B. Bernd Stelter aus Unna kommt).
Aber letztlich kann man auch eine gewisse Steifheit im westfälischen Humor gegenüber dem schlüpfrigen, schnodderigen, rheinischen, schätzen und lieben lernen.

Franz Martin Neudeck ist mir ein Vorbild und ein hoch anständiger, großer, Mann.

Rupert, das Vorbild für den Erwachsenen

Rupert ist in der Öffentlichkeit erst einmal kein humorvoller Witzbold. Die ersten 20..25 unbekümmerten Jugendjahre sieht man also zwar seine Taten und Aktivitäten bewundernd.  Aber Vorbild? Das war mir in dem Alter nicht sofort einleuchtend. Das unterscheidet wohl meine Generation, die zur Wendezeit erwachsen gewordenen ist, übrigens von den 68er und 70ern: Leben, Party (mit weniger Drogen als in den 70ern), Lieben (mit Kondom) und Konsum waren uns wichtiger als das dröge diskutieren, nachdenken und kritisieren.
Wenn ich heute eine 70er Talkshow sehe… Rauchschwaden… Biergläser… Pfeifenraucher im Anzug… Langhaariger Zottel mit Schlag-Jeans… Thema „Hilft der Minirock Frauen bei ihrem Wunsch nach Selbstverwirklichung oder macht der entstehende Durchzug die deutsche Frau unfruchtbar?“… zweieinhalb Stunden Sendung um nachher zu erkennen, dass es wirklich Vertreter beider Standpunkte bei den Talkshowgästen und im befragten Publikum gibt. Wir Wendezeitler hätten die Zeit sinnvoll genutzt, 4 mal „Ein Bett im Kornfeld“, 3 mal „Zehn nakte Frisösen“, 6 mal „Anton aus Tirol“ und 4mal „Schatzi, schenk mir ein Foto“, viel Bier, ein paar Kurze. Super! (Ich stelle mir die Frage wer bekloppter war oder ist: Wir Wendezeitler oder Rainer Werner Fassbinder oder Klaus Kinski? Wenn man Kinski besoffen genug gemacht hätte, hätte er „Zehn Nakte Frisösen“ mitgegröhlt? Würde Kinski in einer heutigen Talkshow dem Wendler mit dem Messer an die Gurgel gehen?)

Ich hoffe sehr, dass meine Abschweifungen wenigstens so interessant sind, dass der Leser nicht allzu empört wahrnimmt, dass die die beiden Hauptfiguren viel zu wenig in dem Blog-Eintrag würdige.

Kurz und Knapp: Rupert Neudeck hat unzählige Leben gerettet, zeigt uns Wohnzimmerbewohnern, was in der grausamen Welt draußen passiert und welche himmelschreienden Ungerechtigkeiten vor sich gehen. Er schafft Projekte, bei denen wir mit kleinen Überweisungen per Online-Banking, helfen können, in den Notlagengegenden der Welt dann doch helfende, große Taten zu bewerkstelligen. Kleine Überweisung, große helfende Wirkung… das ist eine bessere Hebelwirkung als die von Aktienoptionen!

Ich laber nicht mehr viel. Rupert Neudeck muss uns ein Vorbild sein und Lehrmeister. Hier eine Lehrstunde: Rupert Neudeck im ZDF bei Precht, „Welt in Bewegung – Die Flüchtlinge und wir“

Rupert Neudeck ist mir ein Vorbild und ein hoch anständiger, großer, Mann. 

Wenn ich den Rest der Neudeck-Geschwister aus Hagen auch noch kennen würde, müsste ich bestimmt noch zig Zeilen tippen 😉

 

Das Barcamp.ruhr 9 in bunt: KAWAs nach Vera F. Birkenbihl

Logo vom Barcamp.ruhr9
Logo vom Barcamp.ruhr9, das 8. Barcamp der Metropole Ruhr.

 

KAWAs nach Vera F. Birkenbihl sind etwas verwand zu MindMaps, allerdings geht es darum, möglichst kreativ zum bunten Wort in der Mitte zu assoziieren.

Video in dem Vera F. Birkenbihl KAWAS erklärt.

KAWA zur Eröffnung

KAWA zur Eröffnungssession Los geht's: Zwei spannende Tage mit klasse Menschen, Orgateam @bertholdb und @fernmuendlich, im Unperfekthaus in Essen
KAWA zur Eröffnungssession Los geht’s: Zwei spannende Tage mit klasse Menschen, Orgateam @bertholdb und @fernmuendlich, im Unperfekthaus in Essen

Session „Entwickeln einer Mobile App – und wie man dabei seine Haare verliert am Beispiel von Spotter-App“ @OrangeCoding

KAWA zur Session zu Entwicklung von Mobile Apps / Ladet Spotter-App fürs Iphone herunter!
KAWA zur Session zu Entwicklung von Mobile Apps / Ladet Spotter-App fürs Iphone herunter!

Meine Session zu ABC-Listen:

KAWA zu ABC-Listen nach Vera F. Birkenbihl zu meiner Session
KAWA zu ABC-Listen nach Vera F. Birkenbihl zu meiner Session
ABC-Liste zu ABC-Listen
ABC-Liste zu ABC-Listen
Spontane ABC-Liste zum Ablauf der Session
Spontane ABC-Liste zum Ablauf der Session
Meine (fast leere) Liste zu Tieren / Die Tiere-Listen der Session-Teilnehmer waren voll bis auf X (Wer kennt ein Tier, das mit X anfängt?)
Meine (fast leere) Liste zu Tieren / Die Tiere-Listen der Session-Teilnehmer waren voll bis auf X (Wer kennt ein Tier, das mit X anfängt?)

@cc_Raffael stellt in seiner Wissenschmiede Lernen (nicht Pauken) nach der Birkenbihl-Methode vor

@cc_Raffaels Session: Wissenschmiede Teil 1 / Methodik nach Birkenbihl wie man ein etwas wirklich lernt.
@cc_Raffaels Session: Wissenschmiede Teil 1 / Methodik nach Birkenbihl wie man ein etwas wirklich lernt.

Tag 2: IoT-Session Feinstaub-Messgerät für 25 Euro selberbauen Luftdaten.info

Tag 2: Feinstaubmessung zum Selbstbau mit ESP8266 (Achtung: Fehler im KAWA) Siehe luftdaten.info
Tag 2: Feinstaubmessung zum Selbstbau mit ESP8266 (Achtung: Fehler im KAWA) Siehe luftdaten.info

Eine von 3 Ratgeber-Sessions von @tmmd: Komfortabel mit der Bahn fahren

KAWA zur Session "komfortabel Bahn fahren" von @tmmd
KAWA zur Session „komfortabel Bahn fahren“ von @tmmd

Noch einmal @cc_Raffael: Wissenschmiede Teil 2, jetzt geht es in die Praxis

Wir stecken uns ein Ziel für das nächste Jahr. Ich möchte im nächsten Jahr bei der Serienjunkies-Session von @scotty die Serien im Orginalton besser verstehen um auch so viel Spaß zu haben wie die anderen Teilnehmer.

Session Wissenschmiede Teil 2 / Jetzt wird es konkret: Was will ich in 2016 lernen?
Session Wissenschmiede Teil 2 / Jetzt wird es konkret: Was will ich in 2016 lernen?

@petrageerken stellt den Onlinedienst Storify vor. SocialMedia einfach redaktionell aufbereiten

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Danke an die Sponsoren und an die Organisatoren @fernmuendlich und @bertholdb!

Die Sponsoren... Danke, Danke, Danke!!!
Die Sponsoren… Danke, Danke, Danke!!!


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